Krusader Netzwerkzugriff mit kio-extras

Krusader Netzwerkzugriff mit kio-extras

 

Bei den neueren Versionen des Krusader ist kio-extras nicht mehr installiert. Das kann man aber leicht nachholen um die wichtigen Netzwerk Fähigkeiten nachzurüsten.

KIO-Extras (auch bekannt als KIO5-Extras) ist eine Sammlung von Erweiterungen für das KDE Plasma-Dateisystem, das auf dem KIO-Framework basiert. Es erweitert die Fähigkeiten des Dateimanagers Dolphin und anderer KDE-Anwendungen, indem es zusätzliche Protokolle für den Zugriff auf entfernte Dateien und Netzwerkinhalte bereitstellt.

Überblick über KIO und KIO-Extras

KIO (KDE Input/Output) ist ein grundlegendes Framework in der KDE-Plattform, das den Zugriff auf verschiedene Arten von Ressourcen ermöglicht, unabhängig davon, wo sich diese Ressourcen befinden (lokal, im Netzwerk, im Internet etc.). KIO-Extras erweitern diese Funktionalität, indem sie zusätzliche Protokolle hinzufügen, die der Benutzer direkt im Dateimanager und in anderen Anwendungen verwenden kann.

Das Konzept hinter KIO ist, dass der Dateimanager und andere Anwendungen nahtlos mit verschiedenen Protokollen arbeiten können, ohne dass der Benutzer merkt, dass er mit einem entfernten System interagiert. Die KIO-Extras bieten dafür zusätzliche Unterstützung für mehrere Protokolle und Dateitypen.

Funktionen und Protokolle von KIO-Extras

Die KIO-Extras bieten eine breite Palette an Protokollen und Tools, die in KDE Plasma integriert werden. Zu den wichtigsten Funktionen gehören:

1. Zugriff auf Netzwerkprotokolle

KIO-Extras unterstützt den Zugriff auf verschiedene Netzwerkprotokolle, was es dem Benutzer ermöglicht, entfernte Ressourcen im Dateimanager genauso zu durchsuchen wie lokale Dateien. Zu den unterstützten Protokollen gehören:

  • FTP (File Transfer Protocol): Ermöglicht das Durchsuchen und Verwalten von Dateien auf FTP-Servern direkt über den Dateimanager.

  • SFTP (SSH File Transfer Protocol): Ermöglicht den Zugriff auf entfernte Rechner über das sichere SSH-Protokoll, ähnlich wie FTP, jedoch verschlüsselt.

  • SMB/CIFS (Windows-Freigaben): Bietet nahtlosen Zugriff auf Windows-Freigaben, sodass Dateien und Ordner im Netzwerk durchsucht und bearbeitet werden können, die über das SMB-Protokoll freigegeben sind.

  • WebDAV: Ermöglicht den Zugriff auf WebDAV-fähige Server, die oft für Cloud-Speicherdienste oder das Synchronisieren von Dateien genutzt werden.

  • NFS (Network File System): Unterstützung für NFS-freigegebene Verzeichnisse, die häufig in Unix- oder Linux-Netzwerken zu finden sind.

  • mtp (Media Transfer Protocol): Ermöglicht die Verbindung und Verwaltung von Dateien auf tragbaren Mediengeräten wie Smartphones oder Tablets.

2. Integration mit Cloud-Diensten

KIO-Extras bietet eine Schnittstelle zu Google Drive. Mit dieser Erweiterung können Benutzer auf ihre Google Drive-Dateien direkt vom KDE-Dateimanager (Dolphin) zugreifen, diese bearbeiten, verschieben oder kopieren, ohne einen Webbrowser zu verwenden.

3. Verwaltung von Archiven

KIO-Extras bietet Unterstützung für verschiedene Archivformate wie ZIP, TAR, RAR und andere. Benutzer können Archive öffnen und deren Inhalt durchsuchen, als ob sie normale Ordner wären, ohne diese erst entpacken zu müssen.

4. Zugriff auf Audio-CDs

Eine weitere nützliche Funktion von KIO-Extras ist die Unterstützung von Audio-CDs. Wenn eine Audio-CD eingelegt wird, erscheint sie im Dateimanager, und Benutzer können die Titel als digitale Audiodateien (z.B. im MP3- oder Ogg-Format) anzeigen, extrahieren und abspielen.

5. Sichere Netzwerkzugriffe

Die Integration von SCP (Secure Copy) ermöglicht die einfache Übertragung von Dateien zwischen Computern, die über SSH miteinander verbunden sind, wobei die Sicherheit durch Verschlüsselung gewährleistet wird.

6. Remote-Freigaben

Über FISH (Files transferred over Shell protocol) können Dateien über das Shell-Protokoll auf entfernten Rechnern bearbeitet und kopiert werden, ähnlich wie bei SSH.

7. Zugriff auf das lokale Dateisystem

Neben den entfernten Protokollen unterstützt KIO-Extras auch den Austausch von Bluetooth-Dateien (über das Obex-Protokoll) und die Verwaltung von Dateien auf digitale Mediengeräte (über mtp).

Verwendung von KIO-Extras in KDE-Anwendungen

Die KIO-Extras sind in das KDE-Ökosystem integriert, was bedeutet, dass viele Anwendungen davon profitieren, insbesondere der KDE-Dateimanager Dolphin. Wenn KIO-Extras installiert ist, können Benutzer direkt im Dolphin-Fenster auf die oben genannten Protokolle zugreifen, indem sie einfach die entsprechenden URL-Schemata (z.B. ftp://, smb://, sftp://) in die Adressleiste eingeben.

Beispielsweise können Benutzer auf einen FTP-Server zugreifen, indem sie in Dolphin folgendes eingeben:

ftp://ftp.example.com/

Ähnlich kann der Zugriff auf Windows-Freigaben über die Eingabe von:

smb://hostname/

erfolgen.

Vorteile von KIO-Extras

  • Nahtlose Integration: KIO-Extras fügt sich nahtlos in KDE-Anwendungen ein, sodass Benutzer keine zusätzliche Software installieren oder separate Programme starten müssen, um auf entfernte Ressourcen zuzugreifen.

  • Erweiterte Funktionalität: Es erweitert den Funktionsumfang des KDE-Dateimanagers erheblich und macht ihn zu einem leistungsfähigen Tool für die Verwaltung lokaler und entfernter Dateien.

  • Flexibilität: Die Unterstützung einer Vielzahl von Protokollen, sowohl für lokale Netzwerke als auch für das Internet, macht es zu einem vielseitigen Tool für jeden, der mit verschiedenen Netzwerken oder Cloud-Diensten arbeitet.

  • Benutzerfreundlichkeit: Die Benutzeroberfläche von Dolphin und anderen KDE-Anwendungen bleibt trotz der umfangreichen zusätzlichen Funktionen übersichtlich und benutzerfreundlich.

Installation

KIO-Extras ist normalerweise in den Paketquellen der meisten Linux-Distributionen verfügbar, die KDE Plasma verwenden. Um KIO-Extras zu installieren, kann man den Paketmanager der jeweiligen Distribution verwenden. Installation auf Debian-basierten Systemen:

sudo apt install kio-extras

Oder auf Arch Linux:

sudo pacman -S kio-extras

Fazit

KIO5-Extras ist ein unverzichtbares Tool für KDE Plasma-Nutzer, die mit einer Vielzahl von Netzwerkprotokollen und entfernten Dateisystemen arbeiten. Es macht den KDE-Dateimanager und andere KDE-Anwendungen extrem flexibel und leistungsstark, indem es eine einfache Möglichkeit bietet, auf entfernte Ressourcen zuzugreifen, ohne auf Drittanbietersoftware angewiesen zu sein.

Krusader Netzwerkzugriff mit kio-extras

Mehr Videos findet man auf meinem Youtube Kanal linuxcoach:
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